Aus einer Mücke einen Elefanten machen? Was Metaphern und Sprachbilder mit unserem Kopf und Wohlbefinden anstellen

Aus einer Mücke einen Elefanten machen? Was Metaphern und Sprachbilder mit unserem Kopf und Wohlbefinden anstellen

Ein bisschen frischen Wind ins Büro bringen, das begreifen die meisten als eine Metapher für Veränderungen am Arbeitsplatz. Aber was machen Metaphern eigentlich mit uns und unserem Kopf? Unser Gehirn jubelt geradezu vor Freude, wenn es Metaphern hört – damit werden Wörter oder Sätze bezeichnet, die etwas anderes meinen als das, was wortwörtlich gesagt wird. Was dem Gehirn daran gefällt, ist unter anderem, dass dabei höhere Hirnbereiche stimuliert werden, Zusammenhänge aktiviert und eine Erweiterung unserer sinnlichen und emotionalen Wahrnehmung stattfindet.

Wenn Metaphern richtig eingesetzt werden, können sie uns eine tiefergehende Kommunikation mit anderen und ein erweitertes Welt- und Selbstverständnis ermöglichen, außerdem können sie hoch inspirierend sein und uns dabei helfen, über uns hinauszuwachsen.
Die ersten Metaphern werden übrigens schon im Säuglingsalter erlernt und spielen eine entscheidende Rolle beim Erlernen von abstraktem Denken.

Was findet im Gehirn statt, wenn wir Sprache verarbeiten?  – Neuronale Simulation
Unserem Gehirn fällt es schwer Wörter, Ideen und alles andere, was im Kopf durch Sprache entsteht, von Realem zu unterschieden. Allein das Wort „gehen“ zu lesen, aktiviert neuronale Schaltkreise im motorischen Cortex, die normalerweise für die Verarbeitung von Gehbewegungen zuständig sind. Wenn das Gehirn Sprache begreift, tut es so, als ob es tatsächlich geht. Auf die gleiche Weise simuliert das Gehirn auch Gefühle, von denen es hört oder liest. Hören wir z.B. von einer „ziemlich dreckigen Angelegenheit in der Firma“ simuliert das Gehirn die Bereiche für Ekel. Von Ekel zu lesen aktiviert demnach den gleichen Bereich im Gehirn, wie wenn tatsächlich an der vergessenen Milch im Kühlschrank gerochen wird.

Vor diesem Hintergrund ist es durchaus relevant, welche Metaphern und Wörter wir für Erlebnisse, Sachverhalte oder Ansichten über uns selbst wählen. Denn obwohl die neuronale Aktivierung  eher unterbewusst stattfindet, kann sie sich entscheidend auf unser Wohlbefinden, unsere Einstellungen und unser Verhalten auswirken.

Aber damit hört es nicht auf: eine Metapher oder ein einzelnes Wort aktiviert im Gehirn ein ganzes Netzwerk von verwandten Assoziationen. Fühlst du dich z.B. bei der Recherche für ein neues Mobiltelefon von einer „Informationsflut“ überwältigt, aktiviert dein Gehirn direkt alle Erfahrungen, die es mit Flut und Wellen bisher schon gemacht hat, z.B. sich vor dieser bedrohlichen Situation schnell in Sicherheit zu bringen. Diese Assoziationen laufen automatisch, blitzschnell und unterbewusst ab, können dein Verhalten aber nachhaltig beeinflussen, z.B. indem du die Recherche, für welches Handy sich die Investition wirklich lohnt, an den Nagel hängst und auf Basis weniger Informationen oder des Bauchgefühls zum erstbesten Handy greifst.

Hast du deinem Gehirn einmal ein sprachliches Bild zur Verfügung gestellt, freut es sich immer über die Informationen, die in das Bild passen. Von deinen „Rabeneltern“ nimmst du dann hauptsächlich die Eigenschaften war, die mit Geiz und weniger die, welche mit Wohlwollen und Großzügigkeit einhergehen.

Metaphern können berechtigt sein, können die Sicht aber auch trüben, bzw. verzerren. Daher lohnt es sich zu überprüfen, mit welchen Sprachbildern und Metaphern wir die Welt beschreiben und wie uns diese Beschreibungen beeinflussen können.

Metaphern beeinflussen Emotionen und Wohlbefinden
Mit welcher Metapher würdest du dein Leben beschreiben? Welche Wörter wählst du dazu? Metaphern helfen uns, uns und die Welt um uns herum als bedeutsam wahrzunehmen, zu verstehen und zu interpretieren. Sie wirken dabei wie eine Brille und färben durch die Wortwahl unsere Wahrnehmung, unsere Emotionen und unser Erleben ein. Je nach positiver oder negativer Konnotation der Metaphern werden höhere Hirnareale und noch viele weitere Assoziationen aktiviert.
Überprüfe, ob du eher auf negative oder positive Metaphern und Wörtern zurückgreifst, wenn du dich, andere Menschen oder Umstände betrachtest. Überlege dir auch, welche Emotionen und weiteren Erinnerungen durch die von dir verwendeten Metaphern im Gehirn direkt mit aktiviert werden können, und wie dich das beeinflussen könnte.
Metaphern können Stress, Anspannung und andere Emotionen hervorrufen, z.B. Wettbewerb und Neid befeuern. Metaphern können aber auch umgeschrieben werden. Glaubst du wirklich, einer Person „nicht das Wasser reichen zu können“ und hast diese Metapher immer wieder im Kopf? Vielleicht kannst du eine andere Beschreibung für diese Person finden die es dir erleichtert, euch als gleichberechtigte Partner*innen zu sehen.

Natürlich lohnt es sich auch, den Entstehungskontext der Metaphern zu hinterfragen und so eventuell auf offensichtliche oder verdeckte Bedürfnisse zu schließen.

Metaphern-Verständnis und psychische Störungen (Schizophrenie)
Es gibt psychische Störungsbilder, wie z.B. die Schizophrenie, die das Verständnis von Metaphern erschweren können. Oft ist es Betroffenen nicht mehr möglich den übergeordneten, indirekten Sinn hinter den Metaphern zu verstehen und sie interpretieren stattdessen jedes Wort wortwörtlich. Neben Metaphern sind auch Ironie, Ambiguitäten und das Paraphrasieren oft in ähnlicher Weise betroffen.
Neuropsychologisch hat das damit zu tun, dass die wortwörtliche Bedeutung nicht ausreichend gehemmt bzw. unterdrückt werden kann, was u.a. auf ein Defizit in den exekutiven Gehirnfunktionen zurückgeführt wird, das meist temporär auftritt und dadurch gekennzeichnet ist, dass u.a. Inhibition- und Aufmerksamkeitsprozesse eingeschränkt sind. Mit der Inhibition ist die Fähigkeit gemeint, irrelevante Informationen oder Impulse zu unterdrücken.

Bei manchen Betroffenen kann es auch zu einer Konkurrenz zwischen den einkommenden Stimuli, hier den Wörtern und der erweiterten Kreativität, die mit einer Schizophrenie einhergehen kann, kommen. Dies kann sich dann der akkuraten Interpretation in den Weg stellt und so Verwirrung stiftet.
Die sprachlichen Defizite beim Verständnis von Metaphern können wiederum zu Missverständnissen in der sozialen Kommunikation führen. Oft sind diese Einschränkungen temporär und im ersten Schritt ist es wichtig, dies als eine Veränderung anzuerkennen und darüber zu kommunizieren. Betroffenen hilft es, wenn eine möglichst Metaphern freie, direkte Sprache verwendet wird, die keine Missverständnisse zulässt.


Dich in und an Metaphern üben (Fazit)
Metaphern wirken sich auf unser Selbstverständnis und unsere Weltsicht aus, außerdem beeinflussen sie unsere Emotionen.

1. Überprüfe, ob in deiner Selbst- und Weltwahrnehmung Metaphern vorkommen und welche Wörter du darin verwendest. Zeichnest du dein Selbstbild eher in warmen oder kühlen Farben und könnte dies Einfluss auf deine Stimmung haben? Entdeckst du eine gehäufte negative Wortwahl oder Wortkonstellation, überlege dir zuerst, was dir die Metaphern sagen möchten. Anschließend überlege dir, ob du für einen Sachverhalt, andere Menschen oder dich selbst nicht eine positivere Metapher verwenden kannst.
2. Baue mehr positive Metaphern in den Leben ein. Um eine Erfahrung reichhaltiger zu machen, kannst du auch aktiv nach Metaphern suchen, um diese zu beschreiben.
3. Generell ist es hilfreich, Metaphern auf Werten und nicht auf kurzzeitigen Gefühlen aufzubauen. Wenn sich deine Werte in deinen Metaphern widerspiegeln, kann sich das zu einer intensiveren Erfahrungsebene führen.      

 

 

Quellen

Thoma, P., Hennecke, M., Mandok, T., Wähner, A., Brüne, M., Juckel, G., & Daum, I. (2009). Proverb comprehension impairments in schizophrenia are related to executive dysfunction. Psychiatrie Research, 170, 132-139. doi:10.1016/j.psychres.2009.01.026        
Schettino, A., Lauro, L. R., Crippa, F., Anselmetti, S., Cavallaro, R., & Papagno, C. (2010). The comprehension of idiomatic expressions in schizophrenic patients. Neuropsychologia, 48, 1032-1040. doi:10.1016/j.neuropsychologia.2009.11.030
– Gamez-Djokic, V., Narayana, S., Wehling, E., Sheng, T., Bergen, B., Davis, J., & Aziz-Zadeh, L. (Submitted). Morally queasy: Metaphors implying moral disgust activate specific subregions of the insula and basal ganglia. Journal of Cognitive Neuroscience. 
Gamez-Djokic, V.*, Wehling, E.*, & Aziz-Zadeh, L. (In prep.). Pushing ideas: The neural simulation of communication metaphors

Bewerte diesen Artikel

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden