Stimmen im Kopf?  –  So entstehen die akustischen Halluzinationen

Stimmen im Kopf? – So entstehen die akustischen Halluzinationen

Fremd anmutenden Stimmen im Kopf können psychotische, aber auch gesunde Menschen hören. Wie unterscheidet das Gehirn die eigene von fremden Stimmen? Stimmenhören beruht vermutlich auf einem Verwechselungsfehler. Ein Forscherteam an der University of Southern Wales bestätigt jetzt, dass dem Gehirn beim Hören von fremd klingenden Stimmen die Information fehlt, dass es diese selbst erzeugt hat – so nimmt es zwangsläufig einen externen Ursprung an.

Pro 100.000 Einwohner erkranken in Deutschland etwa 19 Menschen jährlich neu an einer Schizophrenie, typischerweise im jungen Alter. Eine Schizophrenie setzt sich in den meisten Fällen aus psychotischen und depressiven Symptomen zusammen (= Positiv- und Negativsymptomatik).

Die psychotische Phase, welche Symptome wie Wahnideen, Halluzinationen, Störungen der Ich-Wahrnehmung und im formalen Denken beinhaltet, verbinden viele Menschen auch unmittelbar mit dem Hören von fremden Stimmen in Kopf.

Stimmenhören, eine akustische Halluzination, kann mehrere dialogische, kommentierende oder handlungsanweisende Stimmen enthalten.
Tatsächlich hören nicht alle aber viele Schizophrenie-Betroffene Stimmen. Auch kann es vorkommen, dass Menschen Stimmen hören, ohne an einer Schizophrenie erkrankt zu sein.

Wie kommt es zu dem Hören der Stimmen?
Mithilfe von „Efferenzkopien“ kann das Gehirn zwischen äußeren und inneren Signalen unterscheiden. Werden diese fehlerhaft weitervermittelt, kann es zu Symptomen wie Stimmenhören oder auch Fremdbeeinflussungserleben kommen.

Was sind Efferenzkopien?
Das Gehirn sendet Anweisungen, sogenannte „efferente Signale“, zu den ausführenden Organen. Zum Beispiel wird die Anweisung für den Satz: „Heute Abend koche ich für uns eine Lasagne“ – über den Motorkortex zu den Lippen geschickt, welche die Muskelbewegung ausführen – wir sprechen.

Gleichzeitig wird eine „Efferenzkopie“, eine Kopie dieser Anweisung, zu den akustischen Hirnarealen geschickt, die die wahrgenommene Sprache verarbeiten. Durch diese Kopie wissen wir, dass wir es selbst sind, die diesen Satz gesagt haben.
Eine Efferenzkopie erhalten wir auch dann, wenn Sätze nicht laut ausgesprochen werden – so erkennen wir unsere eigenen Gedanken. Dieser Mechanismus wurde von einer Studie der University of New South Wales nun erneut bestätigt.[1]

Innere Sprache wird also ähnlich, durch die Aktivierung der gleichen motorischen Sprachareale, eingeleitet, die auch bei gesprochener Sprache aktiviert werden.
Wenn externe Reize („Afferenzen“) unsere akustischen Hirnareale erreichen, kurz nachdem unsere Ohren unsere eigene Stimme wahrnimmt, wissen wir durch die Efferenzkopie, dass wir selbst die Verursacher dieser Worte sind, in unserem Beispiel der Lasagne-Satz.
Bei Menschen, die Stimmen hören, ist die Weiterleitung der Efferenzkopie an die akustischen Hirnareale gestört oder ganz blockiert. Ihnen fehlt also die Meldung, dass der gehörte Satz vom eigenen Gehirn initiiert wurde, sodass dieser als von außen kommend wahrgenommen wird.
Somit findet eine Fehl-Attribution intern generierter Sprache statt, die so als externe Stimme erscheint.[2]

Durch das gleichen Phänomen kann es auch zum Erleben von Fremdbeeinflussung und Gedankeneingebungen kommen.

 

Auf den Punkt gebracht

Das Gehirn schickt Anweisungen, z.B. zum Sprechen, an die entsprechenden Organe
Eine Kopie der Anweisung wird an das sprachverarbeitende Gehirnareal geschickt
Diese Kopie meldet dem akustischen Hirnareal den internen Ursprung der Sprache
Somit kann unser Gehirn zwischen eigener und fremder Sprache unterscheiden
Bei Menschen mit akustischen Halluzinationen fehlt diese Kopie. Das Gehirn weiß daher nicht, dass es sich um die eigene Stimme handelt, diese erscheint fremd.

Wir allen hören Stimmen im Kopf, der Unterschied zu dem psychotischen Erleben des Stimmenhörens ist allerdings, dass diesen Menschen die Information über den eigenen Ursprung der Stimme verloren gegangen ist.

 

Wie kann mit dem Stimmenhören umgegangen werden?

Dazu gibt es viele Wege und Möglichkeiten. Neben medikamentösen und psychotherapeutischen Interventionen finden sich auch immer mehr alternative Ansätze.
In England haben sich Betroffene unter dem Namen „Voice collective“

(http://www.voicecollective.co.uk) zusammengeschlossen.

Bei ihrem Ansatz geht es darum, den eigenen Stimmen wohlwollender gegenüberzutreten, diese zu akzeptieren und Ängste abzubauen. Es geht auch darum, diese als Teil des Selbst zu akzeptieren und darauf zu hören, was sie zu sagen haben.

Eleanor Londgen, selbst eine Stimmenhörerin, hat das Kollektiv mitbegründet. Im ihrem berührenden Ted talk spricht sie über ihre eigene Erfahrung, sowie den Umgang mit den Stimmen im Kopf:

https://www.youtube.com/watch?v=syjEN3peCJw 

Referenzen
– Ford, J.m., et al., Out­of­synch and out­of­sorts: dysfunction of motor­sensory communication in schizo­ phrenia, Biol Psychiatry, 2008, 63(8): p. 736­43.
– Thomas J Whitford, Bradley N Jack, Daniel Pearson, Oren Griffiths, David Luque, Anthony WF Harris, Kevin M Spencer, Mike E Le Pelley. Neurophysiological evidence of efference copies to inner speech. eLife, 2017; 6 DOI: 10.7554/eLife.28197

[1] Thomas J Whitford et al. (2017)

[2] Ford, et al. (2008)

 

 

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Ein Gedanke zu „Stimmen im Kopf? – So entstehen die akustischen Halluzinationen

  1. Michael

    Eure Spinnereien und Doofheit könnt ihr aus den Internet nehmen.
    Auf eure Bücher fallen nur Vollidieoten rein.
    Stimmen sind alte Tricks von Hausmeistern, die Mietern aus eine WQohnung haben wollen.

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