Stressreduktion auf natürliche Weise –  Die Heilsamkeit des Waldes

Stressreduktion auf natürliche Weise – Die Heilsamkeit des Waldes

Das Waldbaden ist in Japan bereits seit den 1980er Jahren für seine psychologischen und physiologischen Wirkweisen bekannt. Die Umgebung wird in diesem Sinne auch als „therapeutische Landschaft“ bezeichnet.

Psychologische Effekte des Waldbadens – besonders für gestresste Menschen

Während des Waldbadens werden Phytonzide eingeatmet. Dabei handelt es sich um ätherische Substanzen (Öle), welche von den Bäumen in die Luft abgegeben werden.
Das Einatmen der Phytonzide war, so hat es eine Studie[1] mit 498 gesunden Teilnehmer_innen in Japan gezeigt, mit einem deutlichen Abfall des Hormons Adrenalin und des Neurotransmitters/Hormons Noradrenalin verbunden. Eine hohe Konzentration der beiden Hormone im Blut gilt als Indikator für ein gesteigertes Stresslevel[2][3]. Die Selbstaussagen der Teilnehmer_innen über das wahrgenommene gesunkene Stressniveau bestätigten das Testergebnis der hormonellen Stressreduktion zusätzlich.

Auch zeigte die Studie, dass Menschen, welche unter besonders hoher Beanspruchung stehen, von dem Waldbaden ganz besonders profitieren. Langzeiteffekte von Stress, wie Risiken für Herz-Kreislauf Erkranungen, lassen sich so verringern. Des Weiteren hatten das Waldbaden positive emotionale Effekte.

Physiologische Effekte des Waldes – Immunboost im Winter

Das Einatmen der Phytonzide führt außerdem zu einem deutlichen Anstieg der Killerzellen (NK-Zellen) im Körper. Die NK-Zellen sind u.a. dafür bekannt, Krebszellen aufzuspüren und zu attackieren. Eine Forschergruppe am Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit im Zentrum für Medizin Nippon, Japan, zeigte, dass die Aktivität der NK-Zellen (Granulysin, Perforin, Granzyme A/B) an Tagen des Waldbadens deutlich höher waren als an Vergleichstagen. Auch konnte gezeigt werden, dass die erhöhte Aktivität der NK-Zellen für ca. einen Monat anhielt, was für positive Langzeiteffekte des Waldbadens spricht.

Ein weiterer Vorzug des Waldbadens als Stressreduktions-Technik ist, dass es dazu kaum Techniken oder besonderer Voraussetzungen bedarf. Die Art des Waldes spielt z.B. keine Rolle. Auch wie lange das Waldbaden andauert ist nicht allzu relevant. Schon kurze Spaziergänge sollen zu guten Effekten führen.

Die genauen Wirkweisen des Waldbadens sind allerdings noch nicht abschließend geklärt. Potentielle Wirkmechanismen könnten sich auf allen Sinnesebene abspielen. So zeigte z.B. eine Studie von Ulrich[1] eine Korrelation zwischen dem Krankenhausfenster-Ausblick auf Bäume und einer schnelleren Genesung nach einer Operation, also einem visuellen Einfluss des Waldes auf die Gesundheit. Es werden aber auch olfaktorische, akustische und emotionale Wirkmechanismen genauer untersucht.

Also raus – der Wald ist nicht nur ein sinnliches Erlebnis für Augen, Ohren und Nasen, sondern hat auch beachtlichen Einfluss auf unsere Stimmung und Emotionen.

Referenzenesund
– E. Moritaa, , S. Fukudaa, J. Naganob, N. Hamajimac, H. Yamamotod, Y. Iwaie, T. Nakashimaf, H. Ohirag, T. Shirakawaa: Psychological effects of forest environments on healthy adults: Shinrin-yoku (forest-air bathing, walking) as a possible method of stress reduction: Journal of the royal Institut of public (2007)121, 54-63
– Qing Li (2010): Effect of forest bathing trips on human immune function – Environ Health Prev Medv.15(1); 2010 JanPMC2793341

[1] Ulrich RS. View through a window may influence recovery from surgery. Science 1984;224:420–1.
[1] Morita et al. (2007)

[2] Li Q, Morimoto K, Kobayashi M, Inagaki H, Katsumata M, Hirata Y, et al. Visiting a forest, but not a city, increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins. Int J Immunopathol Pharmacol. 2008;21:117–28. [PubMed]

Li Q, Morimoto K, Kobayashi M, Inagaki H, Katsumata M, Hirata Y, et al. A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects. J Biol Regul Homeost Agents. 2008;22:45–55.

[3] Shimomura Y. Effect of forests on health. J Japan Soc People-Plant Relationships 2002;1:11–4 [in Japanese].

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