Dieser sprachliche Trick hilft im Umgang mit negativen Gefühlen

Dieser sprachliche Trick hilft im Umgang mit negativen Gefühlen

„Man muss durch schlechte Erfahrungen hindurchgehen und nicht drumherum.“

– Liza Minnelli  

Immer wieder neigen Menschen dazu, von „man“ zu sprechen, statt von „ich“. Auch, wenn sie von eigenen Erfahrungen berichten. Eine neue Studie findet, dass dieser sprachliche Trick, auch, wenn er nicht bewusst angewendet wird, dazu führt, besser mit negativen Erlebnissen umgehen zu können. 

 

Wann sprechen Menschen von manstatt ich und warum?

Eine Gruppe Psychologen aus Michigan, USA, untersuchte Anfang 2017 den Sprachgebrauch von 1643 TeilnehmerInnen1. Die Hauptautorin der Studie, Dr. Orvell, wollte herausfinden, warum wir häufig von „man“ statt von „ich“ sprechen und wieso das helfen kann, mit schwierigen Erfahrungen umzugehen. 

Insgesamt führten sie 6 Experimente zum Sprachgebrauch durch: Wird in unterschiedlichen Kontexten eher von „ich“ oder eher von „man“ gesprochen? Und welche Konsequenzen hat das für den Umgang mit negativen Gefühlen? 

In den ersten drei Experimenten zeigte sich, dass das Wort „man“ dann verwendet wird, wenn Menschen sich auf Normen oder Routinen beziehen (z.B. „Man benutzt einen Hammer, um Nägel einzuschlagen“). Auffällig war, dass Menschen auch immer wieder „man“ verwendeten, wenn sie von persönlichen Erfahrungen sprachen. 

In drei weiteren Experimenten untersuchte die Forschergruppe, in welchen persönlichen Situationen „man“ verwendet wird und welche Auswirkungen das hat. 

Wann sprechen Menschen eher von „man“, statt von „ich“? 

  • Das Wort „man“ wurde vor allem dann statt „ich“ verwendet, wenn Personen von negativen Erlebnissen erzählten. Berichteten sie von positiven oder neutralen Erfahrungen, verwendeten sie eher „ich“. 
  • Wurden Personen dazu aufgefordert, über ein negatives Ereignis zu berichten und aufzuschreiben, was sie daraus haben lernen können – also dem Erlebten eine Bedeutung oder einen Sinn also zuzuschreiben – verwendeten sie „man“ am häufigsten 

 

Das wichtigste Ergebnis der Studie: 

Von manzu sprechen erhöht die innerliche Distanz zu einem negativen Erlebnis und zu den damit verbundenen Gefühlen. 

Eine innere Distanz wiederum, steht mit positiver Bewältigung von negativen Erfahrungen im Zusammenhang.  

 

Fazit

Über „man“ zu sprechen, statt über „ich“ kann helfen, negative Erlebnisse besser einzuordnen. 

 

Dr. Orvell erklärt die Ergebnisse mit einem innenpsychischen Mechanismus: 

  1. Negative Situationen gibt es im Leben immer wieder. Menschen haben die Tendenz aus negativen Erfahrungen eine Bedeutung oder einen Sinn ziehen zu wollen5,6,7,8.
  2. In verschiedenen Experimenten zeigte sich, dass eine Bedeutung oder einen Sinn aus negativen Erlebnissen/Gefühlen zu ziehen erleichtert wird, indem eine innere Distanz dazu aufgebaut wird4,9,10.
    Innere Distanz kann also helfen, aus negativen Erfahrungen Bedeutung zu ziehen, dem Erlebnis einen Sinn zuzuschreiben und Negatives dadurch besser verarbeiten zu können. 
  3. Wieso kann innere Distanz hilfreich sein? Betrachtet man negative Erlebnisse und Gefühle mit etwas Distanz, fällt es einem leichter, die gemachte Erfahrung auch aus anderen Perspektiven zu sehen. Daraus kann die Erkenntnis entstehen, das auch Anderen solche Situationen passieren können, oder, dass wohl die meisten Menschen in einer solchen Situation ähnlich reagiert hätten. 
  4. Die Verwendung des Wortes „man“ statt „ich“ kann dabei helfen, sich von negativen Erlebnissen innerlich zu distanzieren. Indem „man“ verwendet wird, „normalisiert“ man die eigenen Erfahrungen und betrachtet seine eigenen Erfahrungen als ein breiteres, normativeres Phänomen, oder als eine Situation, die auch anderen hätte passieren können.   
  5. Eine solche Generalisierung ermöglicht es, sich selber als normal, und das Erlebnis als geteilte, universelle Erfahrung zu verstehen. Das erleichtert es, ein Verständnis über die Bedeutung und den Sinn einer persönlichen Erfahrung zu generieren2,3,4 und hängt mit einem besseren Umgang mit negativen Erlebnissen und Gefühlen zusammen. 

 

 

Referenzen 

Orvell et al., 2017  

2 Park, 2010.

3 Trope & Liberman, 2010.

4 Kross & Ayduk, 2017.

5 Wilson & Gilbert, 2008.

6 Frankl, 1985.  

7 Janoff-Bullman & Berg, 1998. 

8 Heine, Proulx, & Vohs, 2006.

9 Kross & Ayduk, 2011.

10 Kross, Ayduk, & Mischel, 2005.

 

Photo by Allef Vinicius on Unsplash

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