Müde? Was das mit deinem Smartphone zu tun haben könnte

Müde? Was das mit deinem Smartphone zu tun haben könnte

Du kommst morgens nicht aus dem Bett oder fühlst dich tagsüber müde? Neue Studien fanden einen Zusammenhang zwischen Smartphone-Nutzung vor dem Einschlafen und schlechterem Schlaf – vermutlich (mit)verursacht durch Bildschirme, die Licht mit vielen Blauanteilen ausstrahlen. Was es damit genau auf sich hat und wie ihr dem entgegen wirken könnt, erklären wir in diesem Artikel. 

 

Negative Auswirkungen von Smartphones

Neusten Umfragen zu Folge besitzen knapp 80% der Menschen in Deutschland ein Smartphone1. Der Technik-Hype wird begleitet von Diskussionen und Sorgen um mögliche negative Auswirkungen von starker Smartphone-Nutzung. Auch in die Forschung hat dieses Thema Einzug gehalten. Überraschenderweise liegt der Fokus bei den WissenschaftlerInnen auf einem bestimmten Phänomen: Schlafstörungen. 

Laut einer neuen, für Deutschland repräsentativen Studie der Krankenkasse pronova BKK2, gilt der letzte Blick vor dem Einschlafen und der erste nach dem Aufwachen für sieben von zehn jüngeren Erwachsenen ihrem Mobiltelefon. Bei Erwachsenen über 30 Jahren sind es immerhin noch vier von zehn. Gleichzeitig wird ein Anstieg an Schlafstörungen in der Bevölkerung vermerkt.  

Um zu untersuchen, ob hier ein Zusammenhang besteht, wurde in einer wissenschaftlichen Studie3 die Wirkung von Smartphone-Nutzung auf die Schlafqualität untersucht. Mit dem Ergebnis: 

Erwachsene, die kurz vor dem Einschlafen ihr Smartphone nutzten, schliefen signifikant schlechter, als Personen, die dies nicht taten. 

 Speziell wurden folgende Zusammenhänge gefunden: 

Personen, die ihr Handy im Bett nutzten, bzw. Nachrichten auf dem Handy schrieben, nachdem das Licht bereits ausgemacht wurde, berichteten von… 

… signifikant längerer Einschlafzeit  

… schlechterer Schlafeffizienz 

… mehr Unterbrechungen des Schlafs 

… späterer Aufstehzeit und  

… mehr Müdigkeit am nächsten Tag. 

Diese Auswirkungen waren jedoch nicht bei allen gleich; mit welchen Symptomen die Smartphone-Nutzung im Bett zusammenhing, war bei Personen unterschiedlichen Alters verschieden: Bei Personen unter 40 korrelierte die Smartphone Nutzung im Bett mit späterer Aufstehzeit und mehr Müdigkeit, bei Personen über 60 hingegen mit einer geringeren Schlafdauer insgesamt. 

 

Wie kommt es zu diesem Zusammenhang? Schlafstörungen durch blaues Licht

In einer experimentellen Studie4 untersuchten Forscher 19 Probanden in einem Schlaflabor. Die Probanden wurden vor dem Schlafen zwei Stunden lang kurzwelligem oder langwelligem Licht in unterschiedlicher Intensität ausgesetzt. So wurde untersucht, ob verschiedene Arten von Licht unterschiedlichen Einfluss auf die Schlafqualität haben. Und tatsächlich: Unabhängig von der Intensität des Lichts, führte kurzwelliges Licht vor dem Schlafen eher zu unterbrochenem Schlaf und erhöhter Müdigkeit am nächsten Tag. Kurzwelliges Licht beeinflusste außerdem den biologischen Rhythmus stärker, indem es die natürlichen Schwankungen der Körpertemperatur im Schlaf unterdrückte5 und die Melatonin Ausschüttung reduzierte6. Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, welches den Menschen müde macht (mehr dazu findet ihr in diesem Artikel). Auch die Intensität des Lichts hatte einen Einfluss auf das Schlafverhalten, die Auswirkungen waren jedoch geringer. 

Da Smartphones in der Regel mit Bildschirmen ausgestattet sind, die Licht mit vielen Blauanteilen ausstrahlen, ist dies möglicherweise eine Antwort auf die oben gestellte Frage: Helles, blaues Licht kurz vor dem Einschlafen scheint die Schlafqualität und damit den Erholungseffekt zu mindern. 

 

4 Tipps zur Schlafhygiene

Was nun? Die Autoren der Studie raten: 

  1. vermeide Handy- oder Computernutzung mindestens eine Stunde vor dem Schlafen gehen 
  2. und/oder stelle einen Blaufilter in deinem Handy oder Computer ein – dies ist ein Modus, der den Rotanteil des Lichts erhöht und so deine Nachtruhe fördern kann. 
  3. Gehe morgens mindestens 30 Minuten raus; das natürliche Tageslicht hilft deiner biologischen Uhr sich wieder richtig einzustellen 
  4. Steh jeden Tag – auch am Wochenende – zur gleichen Uhrzeit auf. Auch das hilft deiner biologischen Uhr normal zu funktionieren 

 

 

Referenzen 

1 Studie des Digitalverbands BITKOM 

2 „Die Süchte der Deutschen 2017“, Studie im Auftrag der Krankenkasse pronova BKK 

3 Exelmans et al., 2016. 

4 Green et al., 2017.

5 Heo et al., 2017.

6 Oh et al., 2015 

Photo by Tony Lam Hoang on Unsplash 

Bewerte diesen Artikel

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


CAPTCHA-Bild
Bild neu laden