Weniger Angst durch besseren Schlaf?

Weniger Angst durch besseren Schlaf?

In einer aktuellen neurowissenschaftlichen Studie wurde festgestellt, dass eine gute Schlafqualität mit weniger Aktivität in den Regionen im Gehirn zusammen hing, die für das Lernen von Angst zuständig sind. Ist die Schlafqualität ein Indikator für Anfälligkeit für Angststörungen? Oder ein Faktor, der vor der Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung schützt? 

 

Zusammenhang zwischen Schlafqualität und der Entwicklung von Angst

In den letzten 20 Jahre hat die Forschung gezeigt, dass Schlaf eine wichtige Rolle bei Lernprozessen spielt. Da Angst in vielen Fällen auch als eine gelernte Emotion angesehen wird, vermuten ForscherInnen einen Zusammenhang zwischen der Schlafqualität und der Wahrscheinlichkeit, Angst zu entwickeln. Tatsächlich konnten vorangehende Studien zeigen, dass Schlaf einen Effekt darauf hat, ob Menschen eine Angst entwickeln, nachdem sie eine negative Situation erlebt haben.  

Vor allem REM-Schlaf (rapid-eye movement sleep) scheint dabei von Bedeutung zu sein. REM-Schlaf ist die Schlafphase, in der am meisten geträumt wird. Sie kennzeichnet sich dadurch aus, dass sich die Augen unter den geschlossenen Augenliedern schnell hin- und her bewegen. Die Muskeln sind meist entspannt und die neuronale Aktivität des Gehirns (also die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn) verläuft nach einem bestimmten Muster, welches teilweise dem Wachzustand gleicht. Jeder Mensch verbringt ca. 20-25% des Schlafes im REM-Schlaf. 

REM-Schlaf scheint in die neuronale Aktivität, die mit dem Erlernen von Angst zusammenhängt, zu beeinflussen. 

Bisherige Studien haben den Schlaf nach einem negativen Ereignis gemessen und untersucht, inwiefern sich Schlafqualität auf bereits gelernte Angst und bestehende angstvolle Erinnerungen auswirkt. Dabei wurde vernachlässigt, dass die generelle Schlafqualität und Schlafgewohnheiten einer Person auch beeinflussen könnten, wie stark sie negative Ereignisse mit Angst verbindet (Angstkonditionierung) und überhaupt Angst entwickelt. 

Die ForscherInnen der Rutgers University in New Jersey, USA, haben nun die erste Studie veröffentlicht, die auf einen solchen Effekt bei Menschen hinweist.  

 

Besserer Schlaf – weniger angstbezogene Hirnaktivität

In einer neuen Studie, die in JNeurosci, einer Zeitschrift für Neurowissenschaften, veröffentlicht wurde, wurden Schlafgewohnheiten von Studierenden untersucht, um herauszufinden, ob sich diese auf die neuronale Aktivität des Gehirns während einer Angstkonditionierung auswirkt. 

Dabei wurde der Schlaf für eine Woche mithilfe verschiedener Messmethoden verfolgt, z.B. einem Kopfband, welches die Hirnaktivität misst. Anschließend nahmen die Studierenden an einem Experiment teil: Hier wurde ihre Hirnaktivität aufgenommen, während sie gelernt haben, dass sie bei einem neutralen Bild leichte Elektroschocks bekommen. 

Das Ergebnis der Studie:

TeilnehmerInnen, die in der Woche vor dem Experiment mehr REM-Schlaf hatten, zeigten weniger Angst-bezogene Aktivität in bestimmten Hirnregionen (Hippokampus, Amygdala und Ventromedialer Präfrontaler Kortex) und weniger starke Vernetzung dieser Regionen während der Angstkonditionierung. 

Diese Zusammenhänge zeigen sich sowohl längerfristig (Messung des Schlafes sieben Tage lang), als auch kurzfristig (Messung nur in der Nacht direkt vor der Angstkonditionierung). 

Die Ergebnisse dieser Studie gehen mit anderen Studien einher, die gefunden haben, dass REM-Schlaf die Ausschüttung von Hormonen verringert, die die Sensitivität zu Angststimuli verstärken könnten.  

 

Warum ist das wichtig? – Schlaf und Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis. Neben Symptomen des Wiedererlebens, z.B. Flashbacks, sind Schlafstörungen ein Kernsymptom. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine PTBS zu entwickeln, liegt in der weltweiten Bevölkerung bei ca. 8%. Oft geht sie mit starken Einschränkungen im alltäglichen Leben einher. 

Nicht alle Menschen, die das selbe Ereignis erlebt haben, bilden eine PTBS aus. Die AutorInnen der vorliegenden Studie fragen sich deshalb: Spielt möglichweise die Schlafqualität der Menschen sowohl vor, als auch nach dem Ereignis eine Rolle in der Entstehung und Aufrechterhaltung von PTBS? Sie sehen die Ergebnisse ihrer Studie als Indikator dafür und hoffen, diese psychische Störung damit ein Stück besser erklären zu können. 

 

Fazit 

Die AutorInnen der aktuellen Studie folgern, dass die Schlafqualität auf die Wahrscheinlichkeit, eine Angst zu entwickeln, hinweisen kann. Außerdem könnte die Länge des REM-Schlafs ein Faktor sein, der davor schützt, eine PTBS zu entwickeln.  

 

 

Referenzen 

Der Artikel zitiert die Studie: 

Itamar Lerner, Shira M. Lupkin, Neha Sinha, Alan Tsai, Mark A. Gluck. Baseline Levels of Rapid-Eye-Movement Sleep May Protect Against Excessive Activity in Fear-Related Neural Circuitry. The Journal of Neuroscience, 2017; 0578-17 DOI: 10.1523/JNEUROSCI.0578-17.2017 

Society for Neuroscience. (2017, October 23). Better sleep, less fear: Rapid eye movement sleep may dampen sensitivity to fearful stimuli. ScienceDaily. Retrieved October 24, 2017 from www.sciencedaily.com 

Photo by Dakota Corbin Unsplash 

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