Süßes macht glücklich! Wirklich?

Süßes macht glücklich! Wirklich?

Süßes macht glücklich! Oder doch nicht? Eine neue Studie findet Hinweise, dass hoher Zuckerkonsum auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit erhöht, depressiv zu werden – zumindest bei Männern.

 

Negative Auswirkungen von Zucker

Warnungen vor zu viel Zucker sind in aller Munde. Und das zu Recht: Der Konsum von Zucker liegt in vielen westlichen Ländern weit über dem von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlenen Maß von ca. 25 Gramm/Tag. Vor allem süßes Essen und zuckerhaltige Getränke werden zu viel konsumiert, aber auch in anderen Lebensmitteln, wie Fertigsauce, ist häufig Zucker versteckt. Erhöhter Zuckerkonsum hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit und wird sowohl mit körperlichen Beschwerden, wie Diabetes oder Übergewicht, als auch mit psychischen Beschwerden, wie Depression, in Zusammenhang gebracht. 

Depression durch zu viel Zucker?

Bisherige Hinweise für den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Depressionen kommen vor allem aus Querschnittanalysen. Das bedeutet, dass Personen zum selben Zeitpunkt befragt wurden, wie viel Zucker sie am Tag zu sich nehmen und wie depressiv sie sind. Hier wurden zwar Zusammenhänge zwischen beidem festgestellt, jedoch bleib unklar, was die Ursache und was die Folge ist – oder ob ein weiterer Faktor die Ursache für beides ist. Um dieses typische Henne-Ei-Problemaufzulösen, wurde in England eine aufwendige Langzeitstudie mit über 10.000 Probanden durchgeführt1.

Dabei kam heraus, dass die Wahrscheinlichkeit nach fünf Jahren eine schlechtere psychische Verfassung zu haben bei Männern, die 67 Gramm Zucker pro Tag zu sich nahmen, um 23% höher war als bei Personen, die weniger als 40 Gramm Zucker zu sich nahmen. Mit anderen Worten: Bei Männern, die zu viel Zucker essen, steigt die Wahrscheinlichkeit depressiv zu werden. Dieser Effekt war unabhängig von anderen Faktoren, die den Zusammenhang beeinflussen könnten, z.B. körperlicher Gesundheit, Gewicht, Einkommen Warum bei Frauen kein Effekt gefunden wurde, ist unklar. Möglicherweise hängt das eher mit Eigenschaften der Studie zusammen, als dass Frauen weniger stark auf zu hohen Zuckerkonsum reagieren. 

67 Gramm Zucker erscheint zunächst viel. Doch diese Menge wird schnell erreicht: So beinhalten allein zwei Gläser CocaCola (à 0,3 Liter) oder drei normalgroße Schokoriegel schon ca. 67 Gramm Zucker.   

Aber macht Zucker an sich wirklich depressiv? Nein. Der Mensch braucht Zucker als wichtigen Energielieferanten, um zu funktionieren. Dennoch wird deutlich: zu viel Zucker ist ein Faktor, der sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann. 

Die genauen Mechanismen, wie und warum zu viel Zucker sich langfristig negativ auf das psychische Wohlbefinden auswirken kann, sind noch unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass zu viel Zucker die Aktivität wichtiger Hormone im Gehirn beeinflusst2 und Entzündungen fördert, was wiederum Depression begünstigen kann. 

Dr. Annika Knüppel, die Leiterin der aktuellen Langzeitstudie1, sieht in ihrer Forschung einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Depressionen und will in Zukunft untersuchen, ob zuckerarme Diäten die Behandlung von Depression positiv unterstützen können.

Referenzen

1https://www.nature.com/articles/s41598-017-05649-7

2https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12088740?ordinalpos=6&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum

Photo by Brooke Lark on Unsplash

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