Macht uns diese alltägliche Gewohnheit ängstlicher?

Macht uns diese alltägliche Gewohnheit ängstlicher?

Macht Sitzen uns krank? Eine Gruppe australischer Forscherinnen haben die Ergebnisse verschiedener Studien zusammengefasst und festgestellt: Langes Sitzen geht mit erhöhter Angst einher. 

Angst und negative Auswirkungen von Sitzen 

Angst – und Angststörungen – sind ein weit verbreitetes Phänomen. In Deutschland leiden jährlich über 15% aller Erwachsenen unter einer Angststörung, z.B. Panikattacken oder soziale Phobie1 . Und sogar ein Viertel der Bevölkerung entwickelt im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Angststörung2 . Die Anzahl an Personen mit starken Angstzuständen ohne klinische Relevanz (also Angst, die nicht als psychische Störung diagnostiziert wird, weil sie unter einen bestimmten Schwellenwert fällt), ist noch höher. Wie bei anderen psychischen Störungen ist die Tendenz steigend. 

Auch die Zeit, die wir mit Sitzen verbringen, nimmt immer mehr zu. Wie wirkt sich das auf unsere Gesundheit aus? Ärzte und Forscher warnen: Vermehrtes Sitzen wird immer wieder mit Angst, Depressionen und körperlichen Erkrankungen, wie Typ-2-Diabetes, in Verbindung gebracht.  

Die Forschungsgruppe um Megan Teychenne aus Australien fasste die Forschung zu Angst als Nebenwirkung von Sitzen in einer Meta-Analyse3 zusammen. Dabei verglichen sie die Ergebnisse von neun Studien (davon zwei Langzeitstudien), die den Zusammenhang zwischen einem erhöhten Risiko Angst zu empfinden und Sitzen untersuchten. 

Aktuelle Forschung zu Angst und Sitzen 

Das Ergebnis: Acht von neun Studien fanden einen positiven Zusammenhang zwischen der Zeit, die man sitzend verbringt und einem erhöhten Risiko, Angst zu empfinden. Je mehr die Personen saßen, desto eher hatten sie also Angst. 

Gründe für den Zusammenhang zwischen Angst und Sitzen

Wie kommt es zu diesem Zusammenhang? 

Häufig wird während des Sitzens am Computer gearbeitet/gespielt oder Fernsehen geschaut. Eine Person, die lange sitzt, wird dabei wahrscheinlich eine dieser „bildschirmorientierten Tätigkeiten“ ausführen. Nicht nur die Zeit, die mit Sitzen verbracht wird, verlängert sich also, sondern auch die Zeit vor einem Bildschirm. 

Die Ursache für den Zusammenhang zwischen langem Sitzen und erhöhter Angst sehen die Forscherinnen vor allem in biologischen Mechanismen. Zum einen wird die Aktivität des zentralen Nervensystems durch bildschirmorientierte Unterhaltung, wie Fernsehen oder Computerspiele angeregt. Dadurch wird das gesamte Erregungsniveau der Personen erhöht, was zu einem erhöhtem Angstempfinden führen kann.  

Außerdem wurde bildschirmorientierte Unterhaltung mit einem unterbrochenen Schlafrhythmus in Verbindung gebracht; Wenig oder schlechter Schlaf, wiederum, kann zu vermehrten Angstzuständen führen. Diese kurzfristigen Effekte haben bereits eine angstfördernde Wirkung. Sitzen Personen langfristig zu viel, können sich diese Effekte verstärken und längerfristig das Risiko, mehr Angst zu empfinden, steigern. 

Trotz dieser Ergebnisse warnen die Forscherinnen davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Bisher hat sich zwar ein Zusammenhang zwischen Sitzen und vermehrter Angst gezeigt, jedoch waren die Ergebnisse weniger eindeutig, wenn die einzelnen Tätigkeiten (Zeit vor dem Fernseher und Zeit am Computer) untersucht wurden. 

Außerdem gibt es alternative Erklärungen. So blieb offen, ob langes Sitzen zu vermehrter Angst führt, oder ob ängstlichere Personen einfach mehr Sitzen. Möglicherweise kann die erhöhte Angst auch durch andere Nebenwirkungen des Sitzens erklärt werden, statt durch das Sitzen selber, z.B. durch einen veränderten Stoffwechsel. Um die genauen Ursachen eindeutig zu bestimmen, braucht es weitere Langzeitstudien. 

Fazit 

Selbst, wenn wissenschaftlich noch nicht alle Details des Zusammenhangs zwischen Sitzen, bildschirmorientierten Tätigkeiten und erhöhter Angst geklärt sind – Laut des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse) „lassen sich rund 23 Prozent aller krankheits­bedingter Arbeits­unfähig­keits­tage auf langes Sitzen zurückführen“4. Also, lasst es nicht darauf ankommen! Steht immer mal wieder auf, auch während der Arbeit, und sorgt für ausreichend Bewegung im Alltag. Das kann helfen gegen mögliche negative Nebenwirkungen des Sitzens vorzubeugen. 

 

 Referenzen 

1Jacobi F., Höfler M., Strehle J., et al. (2016) Erratum zu: Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH). Der Nervenarzt 87:88-90  

2https://de.statista.com/statistik/daten/studie/182616/umfrage/haeufigkeit-von-angststoerungen/ 

3Teychenne, M., Costigan, S., Parker, K., 2015. The association between sedentary behaviour and risk of anxiety: a systematic review. BMC Public Health, 15, 513. https://doi.org/10.1186/s12889-015-1843-x 

4http://www.aok-business.de/bayern/gesundheit/bgf-fuer-ihre-mitarbeiter/bewegung/sitzen-das-neue-rauchen/ 

 Photo by Benjamin Child on Unsplash 

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