11 Minuten Training mit großer Wirkung – Hilfe bei riskantem Alkoholkonsum

11 Minuten Training mit großer Wirkung – Hilfe bei riskantem Alkoholkonsum

Eine neue Studie des University College London (UCL) hat gezeigt, dass nur 11 Minuten Achtsamkeitstraining den Alkoholkonsum von starken Trinkern reduzieren kann1.
Die Forscher haben ein neues Achtsamkeitstraining mit Probanden eingeübt und sie ermuntert, dieses in der nachfolgenden Woche weiter zu üben. Das Ergebnis erfreut: Es zeigte sich, dass die Probanden in der Woche nach dem Training weniger Alkohol konsumierten, als in der vorangegangenen Woche. 

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist ein Zustand, in dem man auf eine bestimmte Weise aufmerksam ist und sich auf den aktuellen Moment konzentriert, ohne zu urteilen. Dadurch entsteht eine bessere Wahrnehmung dessen, was in einem und um einen herum passiert (z.B. Gefühle oder Geräusche in der Umgebung). Achtsame Personen handeln dadurch oft bewusster und weniger automatisch. Bereits in vorangegangener Forschung wurde gezeigt, dass Achtsamkeit einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit hat und potentiell auch als Therapie gegen Suchterkrankungen, z.B. Alkoholsucht, helfen kann2,3. 

Achtsamkeitstraining bei Alkoholkonsum 

In der aktuellen Studie der UCL-Forschergruppe wurden 68 Personen mit riskantem Alkoholkonsum untersucht. Die Hälfte der Probanden bekam ein kurzes, elf-minütiges Training, in dem sie geübt haben, achtsam zu sein. Sie wurden angeleitet, ihre Aufmerksamkeit auf Gefühle und körperliche Empfindungen zu richten und diese wahrzunehmen. Ziel war es, dass sie ihre Empfindungen – darunter auch das Verlangen nach Alkohol – als temporäre, vorübergehende Zustände verstehen. So sollten die Probanden lernen, dass ihr Verlangen nach Alkohol vorbei geht, auch wenn sie nicht automatisch darauf reagieren (sprich, Alkohol konsumieren). 

Eine Vergleichsgruppe bekam ein Entspannungstraining, das ähnlich aufgebaut war wie das Achtsamkeitstraining. Ungleich dem Achtsamkeitstraining war das Entspannungstraining jedoch darauf ausgerichtet, dass die Probanden durch Entspannung das Verlangen nach Alkohol besser kontrollieren können. 

Der Aufbau der Studie war streng experimentell: die Probanden wurden zufällig in die beiden Gruppen aufgeteilt und die Instruktionen für die Trainings bekamen die Probanden per Kopfhörer. So konnte sichergestellt werden, dass die Gruppen vergleichbar sind und die Probanden nicht durch die Studienleitung beeinflusst werden. Im Anschluss an die Trainings wurden die Probanden dazu ermuntert ihr jeweiliges Training weiter zu üben.  

Aktuelle Forschung zu Achtsamkeit und Alkoholkonsum

Die drei Hauptergebnisse sind vielversprechend:  

  1. In beiden Gruppen war das Verlangen nach Alkohol direkt nach dem Training signifikant verringert. Dabei wies ein leichter Trend darauf hin, dass das Verlangen nach Alkohol direkt nach dem Entspannungstraining etwas stärker reduziert war, als nach dem Achtsamkeitstraining.  
  2. Außerdem wurde mehr parasympathische Aktivität bei Personen in der Entspannungsgruppe gefunden. Das bedeutet, dass der Teil des Nervensystems aktiviert wurde, der für Ruhe und Entspannung zuständig ist. Dieser Effekt wurde in der Achtsamkeitsgruppe nicht gefunden. Das geht mit vorheriger Forschung einher: beim Achtsamkeitstraining geht es nicht darum, sich zu entspannen (auch, wenn einige Achtsamkeitstrainings durchaus den Effekt haben, dass die Person auf längere Sicht zur Ruhe kommt), sondern es geht darum, seine Aufmerksamkeit aktiv auf den aktuellen Moment zu richten. 
  3. Als drittes und wichtigstes Ergebnis fanden die Forscher heraus, dass der tatsächliche Alkoholkonsum der Probanden aus der Achtsamkeitsgruppe signifikant reduziert wurde – sie tranken in der Woche nach dem Training ca. 1,5 Liter Alkohol weniger, als in der Woche vor dem Training. Für die Entspannungsgruppe wurde hier kein signifikanter Unterschied festgestellt. 

Die Forscher vermuten, dass Achtsamkeitstraining deshalb so wirksam ist, weil die Personen ein stärkeres Bewusstsein für ihre Gefühle entwickeln, diese als temporär verstehen lernen und nicht automatisch auf Verlangen reagieren.  

Fazit 

Zusammenfassend hat die Studie gezeigt, dass sowohl kurze Entspannungstrainings, als auch kurze Achtsamkeitstrainings dabei helfen können, das akute Verlangen nach Alkohol zu reduzieren. Und, wichtiger noch, Achtsamkeitstraining konnte starken Trinkern helfen, auch längerfristig den Alkoholkonsum bedeutsam zu verringern. Besonders ermutigend ist dabei, dass nur 11 Minuten Training sogar bei Personen, die stark gefährdet sind eine Alkoholsucht zu entwickeln, schon bedeutsame Effekte gezeigt haben. 

Referenzen

1Kamboj, S., Irez, D., Serfaty, S., Thomas, E., Das, R., Freeman, T. (2017). Ultra-Brief Mindfulness Training Reduces Alcohol Consumption in At-Risk Drinkers: A Randomized Double-Blind Active-Controlled Experiment, International Journal of Neuropsychopharmacology, https://doi.org/10.1093/ijnp/pyx064  

2Baer, 2003. http://www.personal.kent.edu/~dfresco/mindfulness/Baer_Mindfulness.pdf 

3Mermelstein, L. C., & Garske, J. P. (2015). A brief mindfulness intervention for college student binge drinkers: A pilot study. Psychology of Addictive Behaviors, 29(2), 259-269. http://dx.doi.org/10.1037/adb0000040 

Photo by Thomas Picauly on Unsplash

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